Sehtraining ist mehr als Augenübungen


Die Idee des Augentrainings geht auf den amerikanischen Augenarzt Dr. William Bates (1860-1931) zurück.

 

Bates war ein Forschergeist, der sich bei fehlsichtigen Menschen nicht auf das Verordnen von Brillen beschränken wollte. Ausgehend von den Untersuchungen an seinen Patienten legte er den Zusammenhang zwischen Sehschwäche und Anspannung der Augenmuskeln als Folge von seelischer und körperlicher Überforderung dar und stellte eine Reihe wirkungsvoller Übungen zusammen, die bis heute das Kernstück jeden Sehtrainings bilden. Dabei war er sich bewusst, dass neben dem Training auch geistige Aspekte eine große Rolle spielen. Die von Bates begründete und mit Erfolg praktizierte Methode wurde von ganzheitlich orientierten Ärzten, Heilpraktikern und engagierten Sehtrainern weiterentwickelt.

 

Der Begriff des Seh- oder Augentrainings kann irreführend und missverständlich sein. Oft denkt man an aufreibende Übungsprogramme. Nach unserer inzwischen fast 15jährigen Erfahrung und der Arbeit mit vielen Menschen aller Altersgruppen sind Übungen  sinnvoll und wichtig, reichen zur nachhaltigen Sehverbesserung allein aber nicht immer aus. 

 

Richtig angewandt erzielen die meist verblüffend einfachen Übungen zur Stärkung der Sehkraft, Anregung der Augenbeweglichkeit, zur Schulung von Fusion oder Fokussierfähigkeit, zur verbesserten Farbwahrnehmung und vor allem zur Entspannung einen erstaunlichen Effekt. 

 

Wichtig ist, die für den jeweiligen Fall geeignetsten Methoden zu erarbeiten und Verständnis für das Sehen und die Wirkung der Augenübungen zu entwickeln. Bei der Auswahl geht es weniger um Menge oder straffe Trainingsprogramme mit großem Aufwand, sondern vielmehr um gezieltes, im Alltag praktikables Vorgehen mit einem überschaubaren, gut abgestimmten Repertoire. Besondere Bedeutung kommen dem Bewusstwerden ungünstiger Sehgewohnheiten und dem allmählichen Umgewöhnen zu.

 

Unsere Erkenntnis ist, dass fleißiges Üben nur begrenzten Erfolg hat, wenn die Auslöser der Sehverschlechterung unberücksichtigt bleiben. Zum Erfolg kommt, wer konsequent sein Übungsprogramm umsetzt und sich gleichzeitig dem Prozess der Sehverbesserung mit  Herz,  Geduld und Hingabe öffnet und klar Sehen nicht allein als Frage von Dioptrienzahlen und Messwerten versteht. 

 

Die äußere Klarheit wird durch innere Klarheit bedingt. Beides ist entscheidend eine Frage von Bewusstsein.